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Die Spielregeln für den Auslandsurlaub

Die NÖ Landarbeiterkammer beantwortet arbeitsrechtliche Fragen zum Urlaub. Das Wichtigste: Sich vor Reiseantritt gut zu informieren und die empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.


Der Lockdown ist für den Großteil Europas Geschichte, aber ein Gefühl von Sicherheit will trotzdem nicht so richtig aufkommen. Die Freude auf Sonne, Strand und Meer wird getrübt durch die Furcht vor der zweiten Welle und neuen Corona-Maßnahmen während des Urlaubs. Als wären Quarantäne oder gar Erkrankung nicht schlimm genug, kommen noch die Angst um den Arbeitsplatz und die Entgeltsicherung hinzu. Weil in den letzten Wochen viele Meinungen dazu in den Medien diskutiert wurden, sah sich das Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend dazu veranlasst, nach Absprache mit den Sozialpartnern ein Handbuch „Covid-19: Urlaub und Entgeltfortzahlung“ aufzulegen, in welchem die wichtigsten Fragen beantwortet werden.
Achtung: Dabei handelt es sich um eine mit den Sozialpartnern abgestimmte Auslegung der Rechtslage, welcher man im Großen und Ganzen vertrauen kann, aber um keine gesetzliche Regelung. Insbesondere in Detailfragen könnten Gerichte im Falle des Falles auch zu anderen Lösungen kommen.

Kann ich in Österreich bedenkenlos Urlaub machen?
Völlig, sofern ich die offiziellen Vorsichtsregeln einhalte. Bei einer allfälligen Erkrankung erhalte ich Krankenentgelt, bei einer behördlichen Absonderung muss der Arbeitgeber mein Entgelt weiter bezahlen, hat aber einen Ersatzanspruch gegenüber dem Staat. Das bedeutet aber nicht Narrenfreiheit: Wer die Corona-Handlungsempfehlungen konkret massiv missachtet und dadurch eine Erkrankung oder Absonderung grob fahrlässig oder gar vorsätzlich verursacht, dem droht der Verlust seines Entgeltanspruchs für die Dauer des Unterbleibens der Arbeitsleistung. Ein Entlassungsgrund wird in der Regel nicht gegeben sein.

Riskiere ich bei einem Urlaub im Ausland meinen Job oder meinen Entgeltanspruch?
Ersteres im Normalfall nicht.
Hinsichtlich des Entgeltanspruchs fährt man hingegen in manche Länder auf eigenes Risiko:
1. Wer Urlaub in einem Land macht, für das eine Reisewarnung der Stufe 5 oder 6 durch das Außenministerium ausgesprochen wurde, der muss damit rechnen, dass seine Dienstverhinderung wegen Erkrankung mit COVID 19 oder seine Absonderung als grob fahrlässig herbeigeführt angesehen werden. Der Dienstgeber ist dann nicht zur Entgeltfortzahlung verpflichtet.

Reisewarnungen gelten mit Stand 23. Juli 2020 für 32 Staaten:
Ägypten; Albanien; Bangladesch; Belarus; Bosnien und Herzegowina; Brasilien; Bulgarien; Chile; Ecuador; Indien; Indonesien; Iran; Kosovo; Mexiko; Montenegro; Nigeria; Nordmazedonien; Pakistan; Peru; Philippinen; Portugal; Republik Moldau; Rumänien; Russland; Schweden; Senegal; Serbien; Südafrika; Türkei; Ukraine; USA sowie Großbritannien. 

Vor Antritt einer Auslandsreise sollte man sich unbedingt auf der Website des Außenministeriums aktuell informieren.

2. Wenn bei Antritt der Reise im Zielland oder für die Wiedereinreise nach Österreich Beschränkungen bestehen, die zu einer Dienstverhinderung führen, so besteht für die Dauer dieser Dienstverhinderung kein Entgeltanspruch. Auch hier gilt: Tagesaktuelle Informationen sind unerlässlich! Im Wesentlichen unproblematisch ist die Reise in Länder, für die Sicherheitsstufe 4 (oder weniger) gilt. Das sind derzeit alle europäischen Länder mit Ausnahme der oben genannten. Erkrankt man dort oder wird man zurück in Österreich unter Quarantäne gestellt, gilt dasselbe wie beim Urlaub in Österreich. Also: Sicherheitsregeln einhalten, dann gibt es arbeitsrechtlich kaum etwas zu befürchten.

Was habe ich bei einer COVID-19- Erkrankung im Ausland zu tun?
Wie bei jeder anderen Erkrankung: Unverzüglich Arbeitgeber informieren, ärztliche Bestätigung besorgen und auf Verlangen diese an den Arbeitgeber, unbedingt aber binnen einer Woche an die ÖGK senden.

Muss ich mein Urlaubsziel bekanntgeben?
Grundsätzlich besteht dazu keine Verpflichtung. Sofern der Arbeitgeber aufgrund der Pandemiesituation zu Schutzvorkehrungen verpflichtet sein könnte, besteht im Einzelfall wohl eine Auskunftspflicht.